WS 12/13 Erinnerungslandschaft

Seminar WiSe 2012/13

Menschen vor Berliner Mahnmal

Stadt als Erinnerungslandschaft. Beispiel Berlin

Dr. Constanze Petrow, Dr. Ralf Dorn

Der historisch gewachsene Grundriss und der Baubestand aus unterschiedlichen Epochen machen Städte zu komplexen Landschaften der Erinnerung. Auch im Außenraum finden sich unzählige Spuren der Vergangenheit und bewusst gesetzte Zeichen kollektiver Erinnerung. Denk- und Mahnmale, aber auch Freiraumgestaltungen verweisen auf vergangene Ereignisse und frühere Zeitschichten. Das gesellschaftliche Bedürfnis nach Erinnerung, aber auch nach einer Lesbarkeit der Stadtlandschaft in ihrer historischen Tiefe bedienend, verändern diese gestalterischen Interventionen den Charakter und die Atmosphäre, aber auch die Alltagsnutzung von Orten. Sie dienen der kollektiven Sinnstiftung und der nationalen wie städtischen Identitätskonstruktion. Nicht von ungefähr ist (Stadt-)Geschichte heute eine wichtige Ressource des Stadtmarketings.

Gestalter sind „Erinnerungsvirtuosen“ (P. Reichel) und Geschichtenerzähler. Im Mittelpunkt des Seminars stehen das Werk und die ästhetischen Ausdrucksformen von Repräsentationen des Vergangenen: von Denk- und Mahnmalen, aber auch von anderen Artefakten sowie materiellen Überlieferungen, die in Neugestaltungen integriert wurden. Wir untersuchen Bedeutungseinschreibungen in Stadträume – seit vielen Jahren eine Mode –, beleuchten die Aura des Authentischen und hinterfragen das Konstrukt des „genius loci“. Uns interessiert das Spannungsverhältnis von Erinnerungskultur und Stadtleben, von Raum und Artefakt. Nicht zuletzt fragen wir nach der Wirksamkeit und künstlerischen Kraft der Erinnerungszeichen.

Wie Erinnerung in den gebauten Raum eingeschrieben wird, soll am Beispiel Berlins erkundet werden.