Management Entwicklung und Vegetation

Management Entwicklung und Vegetation (MEV) Pilotprojekt Regionales Parkpflegewerk Emscher Landschaftspark

Ziel des Forschungsprojektes

Das Forschungsprojekt MEV (2006 bis 2009) wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert im Rahmen des Förderschwerpunktes „Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement“ (REFINA). Ziel war im Rahmen eines Pilotprojektes die Grundzüge eines regionalen Parkpflegewerks für den Emscher Landschaftspark (ELP) im Ruhrgebiet zu erarbeiten und auszuprobieren. Das Forschungsteam der TU Darmstadt, Fachbereich Architektur unter Leitung von Prof. Dr. Jörg Dettmar arbeitete zusammen mit der Planergruppe GmbH Oberhausen und foundation 5+ landschaftsarchitekten Kassel.

Aufgabe

Der ELP ist mit über 450 km² Gesamtfläche der größte und am weitesten entwickelte Regionalpark in Deutschland. Er hat das Image des Ruhrgebietes und die Lebensqualität für die Menschen in den letzten zwei Jahrzehnten massiv verbessert. Nach einer Phase großer Investionen in neue Freiräume (1989 – 2005) müssen in Zukunft vor allem die Pflege und Unterhaltung der öffentlichen Freiräume gesichert und der flächenmäßig große Anteil land- und forstwirtschaftlichen Flächen stärker in den ELP integriert werden. Ziel des MEV Projektes war ein System zur nachhaltigen Qualitätssteuerung der Pflege des weltweit größten Regionalparks zu entwickeln. Erstmalig wurde dies auf einer regionalen Ebene versucht.

In den insgesamt sieben regionalen Grünzügen werden heute unterschiedliche Typen von Freiflächen durch 20 Kommunen, diversen regionalen Institutionen wie z.B. dem Regionalverband oder der Emschergenossenschaft gepflegt. Dazu kommen zahlreiche private Eigentümer von landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie brachgefallene Flächen des Bergbaus oder der Stahlindustrie. Die Perspektiven auf diese Stadtlandschaft sind genauso facettenreich, wie die Zahl der Institutionen und Personen, die sich konkret um diese Landschaft kümmern. Das Ergebnis: Der Regionalpark zerfällt aus der Perspektive seiner Besucher. Zusammenhängende Parks und erst recht der regionale Park als Ganzes sind nur in Einzelfällen erlebbar.

Entwicklung durch Pflege

Mit dem Emscher Landschaftspark verbindet sich der Anspruch an eine „Industrie Kultur Landschaft“, der nicht nur über immer neue spektakuläre Parkprojekte auf alten Industriestandorten – wie dem Landschaftspark Duisburg Nord – eingelöst werden kann. Es geht eben auch um die restlichen Grün- und Freiflächen, die eine Mindestqualität für eine Nutzung durch die Menschen aufweisen müssen. Die Unterhaltung darf dabei die öffentlichen Institutionen wie die Städte finanziell nicht überfordern. Vielmehr muss die Höhe der Messlatte für den Umgang mit den Freiflächen des Regionalparks – vor allem bei der alltäglichen Pflege – über diesen hohen kulturlandschaftlichen Anspruch bestimmt werden.

Parkpflegewerk konkret

Das Forschungsprojekt unternimmt den Versuch über eine verbesserte Information, Koordination und Organisation, sowie einen gezielten Einsatz der zur Verfügung stehenden Ressourcen ein Plus für die einzelnen Pflegezuständigen und den Emscher Landschaftspark zu generieren. Die Basis dafür ist die Festlegung von Parkprodukten, die der Besucher als eine zusammengehörige Flächen wahrnimmt. Alle Beteiligte einigen sich auf gemeinsame Qualitätsziele und versuchen dies in der Zukunft gemeinsam umzusetzen. Hierzu wurden in einem repräsentativen Korridor des Emscher Landschaftsparks ca. 90 Parkprodukte aus der Perspektive der Parkbesucher definiert. Bedeutung und Ziele dieser Parkprodukte werden anhand der regional wichtigen „Essentials“ gemeinsam mit den Projektpartnern fetsgehalten. So werden einerseits die verschiedenen Projektpartner verantwortlich in die Entwicklung von Pflegezielen eingebunden, andererseits die Qualität von Pflege als ein gemeinsam verantwortetes Anliegen behandelt. Gleichzeitig entsteht damit ein Handlungsrahmen, der vor Ort erforderliche Entscheidungsspielräume zulässt, ohne dabei wichtige Qualitäten des einzelnen Parkprodukts und des regionalen Parks preiszugeben.

Auf der EDV-Ebene wird das Projekt über eine neu entwickelte GIS-gestützte Datenbank abgewickelt.

Resümee

Die erarbeitete Struktur, die Datenbank und sämtliche Ergebnisse wurden dem Träger des ELP dem Regionalverband Ruhr im Juli 2010 übergeben. Für die erfolgreiche Entwicklung eines Regionalen Parkpflegewerks wird es entscheidend sein, für alle eingebundenen Akteure Verbesserungen in der alltäglichen Arbeit zu erzielen. Die Übertragung des entwickelten Systems auf den gesamten Regionalpark bleibt danach eine Generationenaufgabe, die die Region nur gemeinsam tragen kann. Will man aber das Potenzial des Emscher Landschaftsparks als Sinnbild eines erfolgreichen und nachhaltigen Strukturwandels für den Image-Gewinn der Region dauerhaft absichern, gibt es hierzu keine Alternativen.

Weitere Informationen sind auf der Homepage http://www.parkpflegewerk-elp2010.dezu finden.

Der vollständige Abschlussbericht aus drei Jahren Forschung kann über die Technischen Informationsbibliothek Hannover (TIB) (Schlagworte: Refina, Emscher Landschaftspark) heruntergeladen werden.

Die wesentlichen Ergebnisse des Forschungsprojektes sowie die Dokumentation des Abschlussymposiums am 04. Juni 2009 auf Zollverein in Essen (Vorträge, Podiumsdis-kussion und Hintergrundinformationen) sind in einem Buch veröffentlicht:

Dettmar, Jörg & Rohler, Hans-Peter (Hrsg.) 2010: „Trägerschaft und Pflege des Em-scher Landschaftsparks in der Metropole Ruhr – Wie viel Grün kann sich die Metropole Ruhr leisten?“ Klartext-Verlag Essen, 127 Seiten